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Absender Thema: Gewässerhistorischer Lehrpfad am Gewerbekanal
Kaiser
17.07.2002

Beitrag  zitieren
Zur Aufwertung des Gewerbekanals und seines Umfeldes soll ein Gewässerlehrpfad im Bereich der ehemaligen Schneckenvorstadt von Freiburg installiert werden. Informationstafeln im Bereich Fischerau und Insel sollen Informationen und Stadtgeschichte(n) rund um den Gewerbekanal lebendig und auf unterhaltsame Art vermitteln. Eine Anbindung an den vorhanden Lehrpfad an der Dreisam ist dabei denkbar und wünschenswert.
Sebatian Pfautsch hat dazu erste Textbauteine und Layouts entworfen, die hier zur Diskussion gestellt werden sollen. Die Entwürfe finden Sie unter
http://www.landespflege-freiburg.de/stadtgewaesser/stadtgewaesser_lehrpfad.html

Mit der Konzeption eines historischen Lehrpfads im Internet beschäftigt sich zur Zeit die Arbeitsgruppe "Lehrpfad". Informationen gibt es bei dem Sprecher der Gruppe Iso Himmelsbach (siehe http://www.landespflege-freiburg.de/stadtgewaesser/ag/ag_hauptarm_index.html)



[Kaiser 04.06.2003 11:55]
Kaiser
12.08.2002

Beitrag  zitieren
Hier einige Anmerkungen und Korrekturen von Herrn Iso Himmelsbach (Iso_Himmelsbach@dicomgroup.com) zu den Textentwürfen für die Tafeln des Lehrpfades. Die Korrekturen wurden in den Text eingearbeitet, Anmerkungen stehen jeweils in Klammern hinter dem entsprechenden Abschnitt.


1. Tafel:
"Guten Tag,
Schön, dass Sie mich heute besuchen.
Früher hieß ich Mühlenbach. Dann Alter Runz.
Heute heiße ich Gewerbekanal. Ob ich einmal ein Seitenarm der Dreisam war, das weiß ich nicht mehr so ganz genau.
Aber dass mein Lauf seit langer Zeit immer der gleiche ist, das weiß ich ganz genau. Denn man hat mir ein gutes Bett gebaut." (Es ist nicht geklärt, ob der jetzige Lauf nicht doch erst im 18. oder gar erst im 19. Jh. Angelegt wurde).

"Ich bin schon sehr alt. Schon 1220 habe ich geholfen, Wiesen und Gärten künstlich zu bewässern und Mühlen anzutreiben. (In der gleichen Urkunde, die die Wiesenwässerung anspricht, wird auch eine Mühle erwähnt) Das gibt es schwarz auf weiß. 1272 wurde ich so wichtig, dass sich Freiburger Klöster auf ihre erste Wasserverteilungsordnung zur Wiesenwässerung verständigen. (Woher stammt die Quelle? 1272 wird nur eine Vereinbarung zwischen drei Klöstern erwähnt, die sich auf Wiesenwässerung bezieht! Die Stadt war an der Vereinbarung nur in Gestalt von Zeugen beteiligt)
Mein Wasser wird damit genau aufgeteilt. Ich liefere Wasserkraft für die Gewerbebetriebe und bin Grundstoff für ihre Produktion."

"Ich war mal so wichtig, dass ein ganzer Stadtteil, die "Schneckenvorstadt", sich meinem Lauf anpasste. Die alten Handelsstraßen verliefen direkt in meiner Nähe. Logisch also, dass Handel und Gewerbe sich bei mir sehr wohlfühlten. Das ist bis heute so geblieben."

"Ich bin immer noch sehr wichtig. Heute bin ich Löschwasser, Gießwasser für Kleingärten, Vorfluter für Regenwasser, Schutz vor Hochwasser, die Quelle für Stromerzeugung und für die industrielle Kühlung. Im Sommer biete ich den Menschen Entspannung und für die Fische bin ich lebenswichtig. Wenn der Runzknecht sich im Herbst, wenn das Laub fällt, nicht um mich kümmert, dann bekomme ich Verstopfung. Die Folge: Freiburg hat Hochwasser."

"Ich fließe auch gern für Sie. Danke, dass Sie mich besucht haben."

2. Tafel:
Guten Tag!
Schön, dass Sie mich heute besuchen. Als Gewerbekanal hab ich viel zu erzählen. Zuerst hat mein Wasser nur der Müller gebraucht. (Das muss nicht sein. Nur weil man nicht explizit weiß, dass auch andere Gewerbe den Bach bereits um 1220 nutzen, heißt das nicht, dass er nicht genutzt wird!)
Im 13. Jahrhundert nutzten mich Gerber, Färber, Fischer, Metzger, Glasbläser, Bierbrauer - prost - und Badehäuser; zum Einweichen, Spülen und als Grundstoff. "Das Einleiten von Abwassern der Gerber und Färber ist während der Wiesenwässerung verboten." Für das Schlachthaus und die Metzger gab es genau festgelegte Schlachttage. Für die Fischkästen der Fischer war ich der Kühlschrank. Ganz schön clever, die Fischer!"

"Im 14. Jahrhundert war dann meine Wasserkraft wichtig für die Waffen-, Hammer-, Huf-, Sichel- und Nagelschmiede, Feilenhauer, Balierer - also Edelsteinschleifer -, Granatschleifer, Brauer, Papiermüller, Sägenfeiler, Drechsler und Buchdrucker; aber auch für die Seiden-, Leim- und Düngemittelfabriken." (Das heißt aber nicht, dass es die anderen Handwerke nicht mehr gab ? im Gegenteil; sollte man umformulieren.)

"Schauen Sie bitte mal nach oben auf die Giebelfenster. Entdecken Sie die Doppelreihen? Aus diesen Fenstern hingen früher Felle und Lederteile zum Trocknen raus. Hinter Ihnen, im Holzhauerhaus, wurde Stangeneis mit meiner Wasserkraft hergestellt."

"Und heute? Ich werde weiterhin gebraucht: für Gießwasser, Löschwasser, als Schutz vor Hochwasser, für das Leben der Fische und vieles mehr. Ich habe gut zu tun.
Ich fließe auch gern für Sie. Danke, dass Sie mich besucht haben."

Tafel 3:

"Schön, dass Sie mich heute besuchen. Schauen Sie bitte einmal in mein Bett, in mein Bachbett. Sie sehen: Ich strecke Ihnen meine Metallzunge raus. Sie ist 20 Meter lang und heißt: der ?Ewige Teiler?. Mit meiner Zunge und 2 weiteren Stellfallen - sie sind an der Hauswand - verteile ich mein Wasser nach dem Vertrag der Stadt Freiburg und der "Runz der Werksbesitzer" schon seit 1904. Ich habe noch zwei weitere (Wasser-) Teiler dieser Art: den ?Clara-Teiler" und den ?Mistbachteiler?. Alle haben den Auftrag, meine Wassermenge nach getroffenen Vereinbarungen in der ganzen Stadt zu verteilen.?

"Das Wort ?Runz? kommt im allemannischen von "rinnen" und wurde früher immer für einen von Menschenhand geschaffenen Wasserlauf verwendet. Die Runzgenossenschaften sind im 15. Jahrhundert entstanden. Sie garantierten und kontrollierten die Wassermenge, die Wasserverteilung, das Einleiten und Durchlaufen in meinem gewerblich genutzten Teil. Denn um eine gerechte Verteilung meines Wassers gab es leider schon immer viel Streit."

"Heute gibt es noch 3 Runzgenossenschaften: die ?Runz der Werksbesitzer?, die ?Metzgergrün- und Eschholzrunz? (= ?Obere Runz der Wiesenbesitzer?) und die ?Kronenmühlenrunz?. Jede Genossenschaft hat einen Runzmeister und einen Runzknecht. Und der hat viel Arbeit mit mir, denn er muss meinen Lauf täglich kontrollieren. Warum? Ich bin auch heute noch sehr wertvoll Daher müssen die Anlieger, die ein Wassernutzungsrecht besitzen, immer noch einen Wasserzins zahlen." (Sollte man etwas ausführlicher schreiben, denn die Runz der Werksbesitzer muss ihren Runzmeister ja von der Stadt bestätigen lassen, während das bei den andern beiden meines Wissens nicht der Fall ist. Die Eschholzrunz besteht meines Wissens auch nicht mehr im ursprünglichen Wässerungssinne, sondern nur noch als ?Hausbesitzerverein?. Runzbeitrag zahlen meines Wissens nur die Mitgleider der Runz der Werksbesitzer; die anderen nicht. Der Kronenmühlenrunz hat glaube ich seine Auflösung beantragt??)

"Schauen Sie mich in Ruhe an. Genießen Sie die Stille.
Ich fließe auch gern für Sie. Danke, dass Sie mich besucht haben."
 
04.02.2012, 20:13 - (0.007s) Friss, Spammer, friss!